Und weiter gehts

Weiter gehts nach Trichy. Trichy ist der geografische Mittelpunkt von Tamil Nadu und aus unserer Sicht mit fast 1 Millionen Einwohner ganz schön groß. Aus Sicht der Inder jedoch ist es eher eine kleine Stadt. Dort liegen die meisten Hotels direkt am Busbahnhof, so müssen wir nur die Straße überqueren und sind auch schon da.

 

Da es noch ein paar Stunden hell ist, machen wir uns gleich zum höchsten und größten Vishnu Tempel auf. Lt. unserem Reiseführer kann man da bequem mit dem Bus hinfahren. Also kämpfen wir uns wieder über die Straße und suchen den Bus. Für gerade mal 6 Rps pro Nase gehts dann auch gleich los. Es hätte nur auch im Reiseführer stehen können, dass man ganze 40 Minuten braucht, bis man mal ankommt. Auch hier am Tempel ist die Hölle los. Unglaublich, wie die hier in den Menschenmassen immer noch mit Motorrädern durchfahren und Kühe und Hunde sind ja auch immer irgendwo dazwischen.
Eigentlich kostet der Tempel keinen Eintritt, es gibt aber einen "Viewing Point" also einen Aussichtspunkt, der kostet 10 Rps pro Mann und 50 Rps pro Kamera. Und das ist ständig so, der Eintritt für uns kostet immer um einiges weniger, als der Eintritt für die Kameras, "Videos" sind sogar noch teurer. Es scheint sich wohl noch nicht rumgesprochen zu haben, dass man mit Kameras auch filmen kann :-).
So sieht es aus, wenn man auf dem Aussichtspunkt ist:


Diesmal lassen wir uns den Tempel von einem Guide zeigen. Einiges wissen wir ja schon und ein paar neue Fakten über die Götter erfahren wir so auch. So bekommt man bei einem Vishnu Tempel keinen Punkt auf die Stirn, sondern einen Teelöffel voll heiligem Wasser in die Hand, das man dann trinkt. Wir lassen das lieber mal.
God, erklärt uns der Guide, ist die Abkürzung für die wichtigsten indischen Götter:
G  für Generator, also Schöpfer:   Brahma
O  für Operator,  also Erhalter:   Vishnu
D  für Destroyer, also Zerstörer:  Shiva
Der Tempel ist wirklich riesig und gefällt uns ganz gut.


Bis wir raus kommen, ist es fast dunkel. Wir setzen uns wieder in einen Bus und werden mit Schauen nicht fertig. Unglaublich sind die Menschenmassen, die wir auf den Straßen sehen! Ich glaube, wenn ganz Ingolstadt auf der Straße wäre, dann wären dort immer noch weniger Menschen zu sehen als hier.
Endlich wieder am Busbahnhof gehen wir gleich ins Nachbarhotel, dort gibt es nämlich eine Dachterrasse und wie sich herausstellt Bier (das gibts ganz ganz selten) und leckeres Essen. Auf dem Heimweg lernen wir zufällig einen Professor für Französisch und Deutsch kennen, der uns einlädt morgen am College vorbei zu schauen.


Und so machen wir uns nach dem Frühstück auf zum Jamal Mohamed College. Da heute ja Weihnachten ist, ist kein Unterricht, aber es sind trotzdem einige Professoren und Studenten da. Professor Siraj zeigt uns alles und so schütteln wir viele Hände und machen noch mehr Fotos:

Sehr interessant!  

Später schauen wir uns den Rock Fort Tempel an. Es gibt ganz tolle Bilder von diesem Tempel im Internet, aber um den so aufs Bild zu bekommen, muss man wohl mit dem Hubschrauber unterwegs sein, glauben wir ;-). Auch hier, also auf dem Weg dorthin ist extrem viel los. Am Eingang muss man natürlich wieder die Schuhe abgeben und der Aufstieg geht los. Das erinnert uns ein bißchen an den Mt. Popa in Myanmar, nur dass hier keine Affen sind. Oben windets gescheit und es sieht aus, als ob es heute noch regnen wird. Uns langts erstmal, der Trubel ist einfach zu viel und so fahren wir in unser schönes ruhiges Zimmer zurück.
Abends gibts auf unserer Dachterrasse ein leckeres Weihnachstessen und zur Feier das Tages haben wir unsere indischen Sachen angezogen.

An unserem letzten Tag in Trichy gehen wir es ruhig an, schlafen also erstmal aus und fahren zur Kirche, es ist ja schließlich Weihnachten ;-). Die Lourdes Kirche ist wirklich sehenswert. Schon von Außen sieht sie sehr schön aus.

 

Man muss sogar hier die Schuhe ausziehen. Innen gibt es gar keine Bänke, sondern nur hinten ein paar Plastikstühle. Gebetet wird am Boden, d.h. die Menschen knien im vorderen Bereich der Kirche, manche liegen auch mal kurz direkt vor dem Altar.

 

Wir schauen uns das eine Weile an. Und ich finde es immer wieder spannend wie anders die Atmosphäre in Kirchen hier in Indien ist und wie unterschiedlich die Menschen ihren Glauben zeigen.
Ein bißchen erkunden wir noch die Gegend, bevor wir uns bei der benachbarten Bakery einen leckeren Kuchen besorgen.

Für den nächsten Tag organisieren wir uns einen Fahrer. Wir wollen nämlich nach Tiruvannamalai. Da das nicht auf der Hauptstrecke nach Chennai liegt, wäre Busfahren langwierig und man müsste umsteigen. Mit Fahrer machen wir einen kleinen Schlenker, so dass wir bei Gengji vorbeikommen. Unser Fahrer ist ein netter junger Mann, den wir leider nur ganz schwer verstehen. Wir fahren auf einem Highway, auf dem es wohl keine Regeln gibt, wo die Langsameren zu fahren haben. So bewegt man sich meist in Schlangenlinien vorwärts, manchmal kommt einem ein Motorrad entgegen, Fußgänger überqueren die Straße und Affen sitzen auch mal mitten auf der Fahrbahn rum. Das Highlight unseres Fahrers war ein Mercedes, der uns überholt hat, obwohl wir doch schon 100 kmh schnell waren, wie er meinte.

Gengji ist ein Fort, also so eine Art Ritterburg, von der unser Reiseführer meint, es sähe aus, wie aus Herr der Ringe:

Wir kommen pünktlich zur heißesten Zeit des Tages an, machen uns aber guten Mutes an den Aufstieg. Der Weg führt über Treppen aus Steinen nach oben.

Die Stufen sind also nie eben, gleich hoch oder gleich breit und manchmal ist es ganz schön steil. Nach einer halben Stunde kommen wir nass geschwitzt oben an. Aber es lohnt sich:

 

In Tiruvannamalei mieten wir uns im "Ashram Viertel" ein. Wow, so viele westliche Touristen haben wir in den letzen Wochen nirgends auf einmal gesehen. Alle sehr alternativ und im Hippielook gekleidet. Als wir abends auf die Straße kommen, ist dort gerade ein kleines Feuerwerk. Heute ist nämlich ein Fest und es findet auf der Straße eine Prozession statt. Vorne weg fährt ein Wagen mit lauter Musik, dann kommen Männer, die (komische) Lampen tragen, ein paar Trommler, 2, die auf Muscheln blasen und ein Wagen mit einem Blumenrad und einem heilige Mann, der weißen Puder verteilt.

 

Es geht Etappenweise und in einer ohrenbetäubenden Lautstärke die Straße entlang und bei jedem Stop bekommen die Einheimischen den Puder in die Hand, den sie sich dann auf die Stirn reiben. Wir laufen ein ganzes Stück mit. Man muss nur aufpassen, da am Wegesrand etliche Kühe liegen und es von Kuhfladen nur so wimmelt. Ach ja, sollte ich je behauptet haben, dass in Südindien nicht so viele Kühe auf der Straße leben, nehme ich das wieder zurück.
Der einzige Bundesstaat, indem wir keine Kühe auf der Straße gesehen haben ist Kerala.

In dieser Straße wohnen wir:

Ja, in der Lingam Road wollten wir immer schon mal wohnen ;-).

Einen Nachteil haben die heiligen Städte in Indien aber immer: es gibt nämlich kein Bier. Fleisch scheint es auch nicht zu geben, was uns ja nicht weiter stört, und in der German Bakery, die von Nepalesen geführt wird, gibts alles ohne Ei. Schmeckt aber trotzdem sehr sehr lecker und der Blick auf den Berg von der Terrasse aus ist toll. Da kann man es schon mal aushalten.

Außerdem musste mal wieder ein praktisches Problem gelöst werden. Als wir nämlich einer Kuh auswichen, kam ein Tuk Tuk laut hupend um die Ecke und vor Schreck bin ich Christian ganz blöd auf den Fuß gestiegen oder fast gehüpft und jetzt sind seine Flip Flops kaputt. Also gehts in die Stadt und zum Schuhkauf. Christian wird auch fündig, muss aber ganz schön viele probieren, bis mal einer passt, da die hier recht wenige in für uns normalen Größen haben.

Einen Tempel gibts natürlich auch, den Arunachaleswara Tempel. Ich weiß nicht, hat irgendwer mitgezählt? Aber uns langts jetzt was Tempel angeht und so sind wir recht schnell wieder draußen und haken das Thema Tempel für diesen Urlaub mal ab. So sah er aus:

Hier gibts ja einige Ashrams. Und da man da rein schauen darf, machen wir das einfach mal. Vielleicht sollten die im Eingangsbereich einfach Schilder aufstellen, auf denen steht, dass man seine Schuhe ausziehen muss, dann müssten sie uns jetzt nicht hinterherrennen und wild gestikulieren. Einen Bookshop gibts auch. Also in diesem Ashram einen recht kleinen, da gibts Bücher über alle möglichen heiligen Männer, die man teilweise auch bei uns kennt und hinten links sehen wir ein bekanntes Gesicht. Also ein Gesicht, das jeder kennt, aber man bei uns nie sieht. Umrandet von indischen Schriftzeichen prangt dort das Antlitz von A. H. Ich mein, wir haben mittlerweile verstanden, dass die Inder meinen, Dank dem Krieg zwischen den Deutschen und den Briten haben sie ihre Unabhängigkeit wieder erhalten. Meines Erachtens ein klassischer Fall von mißverstandener Geschichte. Aber die Biografie von A. H. (ich mag den Namen nicht ausschreiben) in einem Ashram??!! Neben den Büchern von Sri Ramana Maharshi und zig anderen Yogis. Ich konnte es nicht lassen und habe den Shopbetreiber angesprochen, aber er kann da natürlich nichts dafür, meint er, denn es gab eben Nachfragen und deshalb hat er das Buch besorgt. Interessantes Klientel haben die hier, die meditieren also über den Frieden und lesen während der Ruhezeiten die Biografie von A. H.??!!
Von mir hat das Ashram nun einen neuen Namen bekommen: Ashram of Evil ;-) !!! Es handelt sich hier um das Sri Seshadri Swamigal Ashram.

Am nächsten Morgen gehen wir dann pilgern. Jeden Monat bei Vollmond gibt es nämlich eine 14 km lange Prozession. Wir besorgen uns die Karte und gehen den kürzeren Weg am Berg entlang. Das ist mal schön ruhig, abseits vom ganzen Trubel und macht richtig Spaß! Damit man sich nicht verläuft, muss man einfach auf die Zeichen auf den Steinen achten:

Shiva-Zeichen als Wegweiser
Shiva-Zeichen als Wegweiser

Wieder zurück schauen wir uns noch das Sri Ramana Ashram an. Es ist das größte Ashram hier und ist Sri Ramana Maharshi gewidmet, der hier in Tiruvannamalai gelebt hat und dessen Urne auch im Ashram begraben ist. Nicht zu verwechseln mit Maharishi, den die Beatles bei uns bekannt gemacht haben.
Auch hier schauen wir uns den Bookshop an, dieser hat ausschließlich Bücher von bzw über Maharshi.
Eines nehmen wir uns mit, dann wirds aber allerhöchste Zeit für einen (kurzen) Mittagsschlaf ;-)

 

Fotos gibts hier, hier und hier,

 

 

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