Einmal quer durch Indien in 11 Tagen (ca. 2600km)

Weihnachten bei Rosi und ihrer Familie im Kannur Beach House war wie letztes Jahr wieder sehr schön und chillig. Hier geht es an Weihnachten ungefähr so zu, wie bei uns an Helloween. Die Kinder und Jugendlichen verkleiden sich als Weihnachtsmann und gehen von Tür zu Tür. Nur hier sammeln sie nicht Süssigkeiten, sondern gegen eine kleine Spende verteilen sie sie. Am 1. Weihnachtsfeiertag haben wir einen Weihnachtsmann am Strand getroffen:

 

Diesmal war das Meer viel ruhiger und man konnte herrlich schwimmen. Es war nur soooo heiß, dass man nach spätenstens 15 Minuten am Strand wieder zurück in den Schatten musste! 

 

Da es ja nicht möglich war, gleich ein Zugticket bis nach Goa zu bekommen, haben wir uns eins nach Mangalore besorgt, mit dem Plan von dort zu schauen, dass wir weiterkommen. Um halb elf gings in Kannur los. In Mangalore am Bahnhof haben wir ganz zufällig ein Pärchen getroffen, das wir vom Strand in Kannur kannten. Von ihnen haben wir erfahren, dass wohl in ca. 1 Stunde ein Zug nach Goa geht und man dafür am Ticketschalter noch Fahrkarten bekommt. Somit haben wir uns einfach mal in der Schlange angestellt. Als dann endlich nur noch so 4 vor uns waren und der Zug in so 10 Minuten gehen sollte, ging der Spaß erst richtig los: von beiden Seiten haben sich zig Männer vorgedrängelt! Dann kam ein Wachmann mit Knüppel und hat versucht Ordnung zu machen, indem er alle extrem angebrüllt hat. Ein alter Mann, der sich auch vorgedrängelt hatte, ist da total ausgestiegen und hat so dagegen angeschrien, dass ihm gleich der Sabber aus dem Mund lief. Dem Wachmann war das sichtlich unangenehm und er hat mit einer Engelsstimme versucht, den Alten wieder zu beruhigen. Wir waren derweil gut damit beschäftigt, irgendwie unseren Platz in der Reihe zu verteidigen und haben tatsächlich 3 Minuten vor offizieller Abfahrt ein Ticket bekommen. Also auf zum Zug, nur wo einsteigen??? Indische Züge sind extrem lang und man kommt nicht überall durch. Aber was solls, einfach mal rein in den Zug. Natürlich waren wir total falsch, aber dafür konnten wir das billige Ticket noch upgraden und sind somit gemütlich im AC3 nach Goa gefahren. 


Goa ist ja ein ganzer Bundesstaat mit ca. 100 km Strand. Wir sind in Margao ausgestiegen. Mittlerweile war es fast halb 10 abends und wir hatten Hunger!!!! Daher haben wir uns ein Zimmer mitten in der Stadt genommen und wollten nur noch schnell irgendwo was essen. Aber so leicht war das gar nicht um die Zeit. Entweder waren die Restaurants komplett überfüllt oder zu und auf der Straße waren mehr Hunde als Menschen unterwegs. Schließlich haben wir in einem dubiosen Restaurant (man könnte auch Absteige sagen) noch Pommes gegessen und ein Bier getrunken und fielen dann fix und fertig ins Bett! 


Den nächste Tag haben wir am Strand von Benaulim verbracht. Wie wir aus Erzählungen wussten, ist es hier noch nicht so überfüllt und es hat uns auch ganz gut gefallen:

 


Und wenn wir schon mal in der Gegend sind, haben wir uns gedacht, schauen wir uns mal noch Old Goa an. Laut Reiseführer soll es ja mal eine Zeit gegeben haben in der Old Goa und Lissabon in Konkurrenz standen, welche die schönere Stadt ist. Wer gewonnen hat, dürfte klar sein ;-). Mit einem Bus gings also Tags drauf nach Old Goa. Dort gibt es einige Kirchen und Museen zu besichtigen. Gerade die Kirchen mit ihren dicken Mauern waren sehr angenehm bei 35 Grad im Schatten.

Zurück in Margao waren wir noch Chinesisch essen, bevor es wieder zum Bahnhof und mit dem Nachtzug über Mumbai nach Jalgaon ging. Nach 22 Stunden Zugfahren mit 4 Stunden Aufenthalt in Mumbai waren wir auch schon da. Und falls ihr jetzt denkt, 22 Stunden Zugfahren ist stressig, dann lasst euch sagen, in Indien ist es das besonders, außer man mag Kakerlaken und stört sich nicht am Uringeruch!!! Apropos Uringeruch, den bekommt man erst wieder aus der Nase, wenn man gute 500 Meter von jeglichen Gleisen entfernt ist. Aber was ist strengstens verboten?? Rauchen im Zug und auf den Bahnsteigen. Versteh das mal wer will! Hätten die Inder Raucherabteile würds glatt angenehmer riechen. Ein angetrunkener Wichtigtuer mit einem (echten?) Ausweis der Indian Railway Corporation wollte mir glatt 500 Rupies wegen Rauchen auf dem Bahnsteig abnehmen. Dank Interaktion eines anderen Inders, habe ich dann nur die offiziellen 200 Rps bezahlt. Die Inder machen das geschickter, die rauchen einfach auf dem Zugklo! 


In Jalgaon fanden wir dann das wohl beste Budgethotel in Indien, das Hotel Plaza:

Von hier aus haben wir die Höhlen von Ajanta und Ellora besichtigt. Beschreiben kann man das nicht, das muss man sehen.

 

Der Inhaber des Hotel Plaza war der Hammer! So freundlich sind wir in Indien selten aufgenommen worden und so ungern sind wir auch nie weitergereist. Das Hotel ist eine absolute Wohlfühloase!!


Auf dem Weg zu unserem eigentlichen nächsten Ziel, nach wiedermal 9 Stunden Zugfahrt, haben wir Halt in Jabalpur gemacht. Hier hat uns der indische Winter glatt erwischt. Saukalt ist es, zumindest fühlt es sich so an, wenn man Tage zuvor noch geschwitzt hat. In den 3 Tagen in Jabalpur haben wir keinen einzigen westlichen Touristen gesehen. Dafür waren außer den Kühen und Hunden auch Schweine mitten in der Stadt unterwegs. Überhaupt war Jabalpur ein bißchen so, wie wir uns Pakistan vorstellen.

Jabalpur ist bekannt für die sog. Marble Rocks, die aber eigentlich aus Kalkstein sind. Dort sind wir ein bißchen auf einem Boot rumgeschippert. Da die geschäftstüchtigen Inder für ein kleines Boot sooo viel Geld haben wollten (ca. 3 Abendessen ohne Bier) und auch nicht bereit waren zu handeln, haben wir uns kurzerhand einer indischen Familie angeschlossen. In der Nähe haben wir noch einen (süßen) Wasserfall, einen Balancing Rock und ein kleines Fort besichtigt.

 
Immer in Richtung unseres eigentlichen Ziels gings auch hier mit dem Zug weiter bis nach Satna. Nach einer (schrecklichen) Übernachtung sind wir in aller Früh (6:30 Uhr) und dick angezogen mit dem Bus losgefahren. Da auch hier mal wieder nur local Busse fahren, waren unsere Ansprüche recht gering: Fensterscheiben sollte er haben und nicht übervoll sein. Beides ging zum Glück in Erfüllung, nichtsdestotrotz wars alles andere als warm. Auf dieser Strecke haben sie sich mal wieder selbst übertroffen: 115 km in 4 Stunden!!! Aber jede Tortur hat auch mal ein Ende. Dafür haben wir ein super Hotel zu einem guten Preis gefunden, mit heißer Dusche und nachdem wir noch 2 zusätzliche Decken bekommen haben, ist es nachts auch richtig warm.


Bestimmt fragt ihr Euch was unser eigentliches Ziel überhaupt ist: Khajuraho, denn hier stehen die berühmten Kamasutratempel. Und eins noch, solltet ihr hier jemals herwollen: nehmt das Flugzeug!!!!!! 


Beim nächsten Mal mehr vom Kamasutra :-)!

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